Bei dem in Bild 49 gezeigten Display handelt es sich um den Ausschnitt eines sich wie auch immer weiter entwickelnden einmaligen Signals. Derartige Signalausschnitte werden im sog. Single Sweep Mode des Oszilloskops erfasst. Hierunter ist zu verstehen, dass das Display nach Erfüllung der Triggerbedingung genau einmal beschrieben wird. Die Signaldarstellung bleibt dann so erhalten, bis sie manuell wieder gelöscht wird und das Oszilloskop für einen neuen Triggervorgang „scharf“ gemacht wird (häufig auch als „armed“ bezeichnet). Dieser Betriebsmodus ist in Bild 50 als einer von vier typischerweise einstellbaren angedeutet.

Bild 50: Betriebsmodi

Periodische Signale werden dagegen im „Continous Mode“ dargestellt. Das Gerät wartet nach einem Signalschrieb im Display erneut auf das Eintreffen der konfigurierten Triggerbedingung, um dann sofort eine neue Displaydarstellung durchzuführen. Die Signaldarstellung wird also kontinuierlich erneuert. Aufgrund der Periodizität der Signale sieht man bei gleichbleibenden Signalparametern (wie Amplitude und Frequenz) dennoch ein stehendes Bild.

Unter „Roll“ als Modus versteht man, dass ohne Warten auf Erfüllen einer Triggerbedingung der aktuelle Signalwert immer am rechten Displayrand dargestellt wird und entsprechend der eingestellten Zeitskalierung mit der Zeit nach links verschoben wird; das Signal läuft also von rechts nach links kontinuierlich weiter, was insbesondere bei sich relativ langsam z.B. im Sekunden- oder Minutenbereich ändernden Signalen eine sinnvolle Darstellungsform ist. Bei allen bisher erläuterten Betriebsmodi ermittelt das Oszilloskop intern automatisch eine passende Abtastrate, so dass ein lückenloser Verlauf der Signaldarstellung gewährleistet ist.

„XY Mode“ schließlich meint, dass nicht mehr Signale über der Zeit t dargestellt werden wie bei den bisherigen drei Betriebsmodi, sondern vielmehr mit einer gewissen Abtastrate an zwei verschiedenen Eingangskanälen eingelesene Spannungssignale eine Koordinate (X, Y) ergeben, die als Punkt dargestellt wird. Die X-Achse ist hierbei als Spannungsachse ausgeführt und über die diesbezüglichen Einstellungen des zugehörigen Eingangskanals skalierbar. Die Abtastrate wird intern nach wie vor passend zur Skalierung der (nicht mehr sichtbaren) Zeitachse gewählt. Bild 51 zeigt exemplarisch die sich ergebende Darstellung, wenn X- und Y-Achse jeweils von einem gleichanteilsfreien Sinussignal bedient werden, zwischen diesen jedoch eine gewisse Phasenverschiebung besteht. Ohne Phasenverschiebung erhielte man eine Gerade mit Steigung 1, bei genau 180° Phasenverschiebung wäre es eine abfallende Gerade mit Steigung -1 und bei 90° ein Kreis.

Insbesondere bei Sinussignalen kann man aus den sich ergebenden Formen (sog. Lissajous-Figuren, benannt nach dem französischen Physiker Antoine Lissajous, 1822-1880) Frequenzverhältnisse und Phasenverschiebungen herauslesen, was heute aber in der Praxis nicht mehr benutzt wird. Um z.B. im Entwicklungslabor einen schnellen Überblick über die U/I-Kennlinie eines elektronischen Bauelements zu erhalten, könnte man z.B. eine sinusförmige Spannung u(t) an das Bauelement und den X-Eingang des Oszilloskops legen, während der das Bauelement durchfließende Strom i(t) z.B. über einen Shunt-Widerstand in eine zweite Spannung ui(t) umgewandelt wird, die an den Y-Eingang geführt wird. Im Display werden dann periodisch sämtliche Kennlinienpunkte angezeigt, was bei entsprechend nicht zu niedriger Sinusfrequenz als durchgezogen Kennlinie erscheint. Generell spielt der XY-Betrieb heute keine große Rolle, da derartige funktionale Zusammenhänge sinnvoller mit rechnergestützen Messaufbauten unter Verwendung entsprechender Messmodule oder Messkarten ermittelt werden.

Bild 51: XY-Betrieb
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