Ein Messwert besteht aus einem Zahlenwert und einer zur Art der Messgröße passenden Einheit. In der Geschichte der Menschheit wurden in vielen Kulturen frühzeitig bereits Maßsysteme entwickelt, um für wichtige Größen des täglichen Lebens eine gemeinsame Basis zu schaffen. Darunter fallen vor allem Längen- und Gewichtsmaße. Für die Länge griff man meist auf typische Längen menschlicher Extremitäten zurück, was zur Festlegung diverser „Ellen“ führte – in Babylonien z.B. Gudea-Elle (ca. 49,59 cm) und Nippur-Elle (ca. 51,86 cm), in Ägypten königliche Elle (ca. 52,4 cm) und gemeine Elle (ca. 45 cm). Griechen und Römer setzten auf „Fuß“ (attischer Fuß ca. 31,04 cm, römischer Fuß ca. 29,617 cm) und „Elle“, welche jeweils als das 1,5-fache des jeweiligen Fußes definiert wurde. Für längere Entfernungen wurden Vielfache davon festgelegt – so entspricht eine römische Meile 1.000 Doppelschritten von jeweils fünf römischen Fuß, also etwa 1.480 m.

Gewichtsmaße wurden meist über Füllungen eines in Abmessungen bzw. Volumen festgelegten Hohlgefäßes mit Wasser, Öl, Getreide oder Wein dargestellt. So kannten die früheren Babylonier die „königliche Mine“ (nach heutigem Verständnis etwa 1.010 g), die, wie wir heute sagen würden, als „Normalmaß“ in Tempeln unter der Obhut von Priestern für Vergleichszwecke aufbewahrt wurde. Später ging man auf das „Talent“ (je nach Variante heute ca. 24, 28 oder 32 kg) über, welches auch die Griechen benutzten. Bei den alten Ägyptern waren das Deben (heute ca. 90,96 g) und das Kedet (ein Zehntel Deben) hierfür gebräuchlich. Im Römischen Reich war die „Libra“ eingeführt, die mit (heute) ca. 327,45 g ziemlich genau 36 altägyptischen Kedets entspricht.

Daneben wurden in den meisten Kulturen auch Systeme für die Festlegung der Zeit etabliert – größere Zeiten meist bezogen auf die Sonnenwanderung, kleinere in Form von Wasser- und Sanduhren. Ähnliche frühe Einheitensysteme gab es auch z.B. in Indien und China. Im späteren mittelalterlichen Europa hatte fast jedes Fürstentum sein eigenes System, was Handel und Verkehr massiv erschwerten. Erst mit der zunehmenden Durchdringung der Gesellschaften mit wissenschaftlichen Methoden, der Zunahme auch an weiteren interessierenden Messgrößen sowie letztlich der einsetzenden Industrialisierung wurden übergreifende Einheitensysteme wieder etabliert. Ein Meilenstein war hier die Einführung des metrischen Maßsystems, welches das „Meter“ als zentrales Maß und die heute übliche dezimale Abstufung vorsah. Fast alle industrialisierten Staaten führten dieses System im 19. Jahrhundert ein (Großbritannien erst 1995). Am 8. August 1870 trat in Paris zum ersten Mal die Internationale Meterkonvention zusammen, in der diese ihre jeweils nationalen Regelungen zum metrischen Maßsystem harmonisierten. 1960 wurde von dieser schließlich das heute weltweit gebräuchliche Internationale Einheitensystem (Système International d´Unités, abgekürzt SI) verabschiedet.

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