Umgangssprachlich wird mitunter statt des Verbs „messen“ das Wort „prüfen“ verwendet. Dies ist jedoch aus fachlicher Sicht nicht korrekt. Unter „prüfen“ versteht man in der Messtechnik wie auch generell im technischen Bereich das Untersuchen, ob ein Prüfgegenstand bestimmte Vorgaben erfüllt. Diese sind hierzu als Prüfbedingungen in angemessener Form spezifiziert. Sehr bekannt sind beispielsweise Prüfungen zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV), die in entsprechenden technischen Normen niedergelegt sind. Die Normen beinhalten u. a. konkrete Vorgaben für Messaufbauten zur Messung elektromagnetischer Störemissionen bei verschiedenen Gerätearten sowie Grenzkurven zur Analyse der Messergebnisse. Um ein Gerät auf Einhaltung einer solchen Norm zu prüfen, müssen somit die darin enthaltenen Vorgaben eingehalten und die spezifizierten Messungen durchgeführt sowie entsprechend ausgewertet werden. Prüfen beinhaltet also deutlich mehr als einmal eine Messgröße zu messen.

Mitunter verfügen messtechnische Systeme über Möglichkeiten, die werksseitig im Rahmen des Herstellprozesses erzielbare Messgenauigkeit – auf die genauen Definitionen hierzu werden wir noch in einem anderen Kapitel eingehen – nachträglich zu erhöhen. Dies geschieht durch gezieltes Anschalten bekannter Referenzgrößen an den Messeingang anstelle der im eigentlichen Betrieb zu messenden Messgröße. Auf dieser Basis kann das Messsystem nun so eingestellt werden, dass der ermittelte Messwert der Messgröße möglichst gut entspricht. Dies kann je nach Messsystem manuell oder automatisch erfolgen, entweder einmalig bei der Erstinbetriebnahme oder auch periodisch. Der Fachbegriff für diese Einstellmaßnahme ist „Kalibrieren“, bei Wiederholungen auch „Rekalibrieren“ genannt. Andere in der Messtechnik eingeführte Begriffe hierfür sind „Justieren“ bzw. „Einmessen“.

Nochmals einen anderen Sachverhalt beschreibt der Ausdruck „Eichen“. Unter diesem versteht man die Prüfung und Stempelung eines Messsystems nach gesetzlichen Eichvorschriften. Betroffen davon sind Messsysteme, die im gewerblichen Verkehr bzw. Handel verwendet werden. Immer dann, wenn ein Käufer geschäftlich eine Ware erwirbt, die z.B. bzgl. ihres Volumens oder Gewichts durch den Verkäufer abgemessen werden muss, darf die zugehörige Messung nur durch ein geeichtes Messsystem durchgeführt werden. Uns als Verbraucher ist damit beispielsweise im Supermarkt eine gewisse Sicherheit gegeben, dass die zur Wägung von Obst zu verwendende Waage auch innerhalb gewisser Grenzen genau arbeitet. Diese Grenzen sowie weiterführende gerätetechnische Vorgaben sind z.B. in Deutschland in einer Anlage zur sog. Eichordnung aufgeführt.

Eichen ist ein hoheitlicher Akt eines Staates und darf nur durch entsprechend hierfür durch den Staat autorisierte Stellen – in Deutschland sind das die Eichämter – durchgeführt werden. Die Eichung erfolgt zu Beginn des Inverkehrbringens des Messsystems sowie danach in je nach Messsystem festgelegten Zeitabschnitten. Sie wird am Messsystem durch eine Stempelung angezeigt.

Messsysteme, für die eine Eichpflicht besteht, müssen bereits während ihrer Entwicklungsphase staatlicherseits bezüglich ihrer Bauart abgenommen werden. Ziel ist es, von vornherein eine gewisse Genauigkeit des Messsystems sowie eine möglichst hohe Manipulationssicherheit konstruktiv sicherzustellen. Hierzu muss der Hersteller weitgehende Informationen auch über das „Innenleben“ des Messsystems der abnehmenden Behörde offenlegen. In Deutschland ist hierfür i.d.R. die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) zuständig.

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